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Das Buch Micha

Juni 8, 2010 Kommentare aus

von Elisabeth Eichinger

Heute   beschäftigen wir uns mit dem sechsten Buch aus dem Zwölfprophetenbuch, Micha, benannt nach seinem Autor. Micha bedeutet „Wer ist wie Jahwe“ und er ist ein Zeitgenosse Jesajas, Amos und Hoseas. Er stammt aus  Moreschet, einem Dorf im Bergland Judäas und wirkt im 8. Jhdt. vor Christus. Da er aus dem bäuerlichen Milieu kommt, sind ihm die Stadtleute nicht so geheuer. Natürlich muss er nach Jerusalem, wenn er der High Society reinen Wein einschenken will, doch lieber sind ihm die einfachen Menschen, sie verstehen seine Worte, seine starken Bilder. Seine Themen sind die soziale Ungerechtigkeit und die religiöse Verderbtheit des Gottesvolkes. In 7 Kapiteln mahnt er ohne Unterlass, Gott werde Judäa bestrafen, sowie es auch Samarien ergangen ist. Doch kann ein Mensch, der von Gott erfüllt ist nicht prophetisch reden, ohne auch die Barmherzigkeit Jahwes zu erwähnen. Die Übriggebliebenen werden nach einer Exilszeit zurückkehren   und neu anfangen dürfen. Hier merkt man, dass das Buch überarbeitet wurde, Micha wusste noch nichts von einem babylonischen Exil.

Warum ist Gott und mit ihm sein Prophet Micha so erbost: Die Großgrundbesitzer reißen die Felder der Verschuldeten an sich und bemächtigen sich ihrer Häuser. Dabei schrecken sie auch vor Gewalt nicht zurück. Richter treten das Recht mit Füßen, sodass die Mächtigen den Leuten quasi die Haut abziehen können. Falsche Propheten und sogar die Priester reden den Reichen und Mächtigen nach dem Mund um gut zu verdienen. Und die Politiker vergeuden Unmengen von Geld um ein Heer gegen Assur auszustatten, andere um Tribut zu zahlen, doch alles wird vergebens sein, wenn Gott nicht mitspielt. Besser wäre es gerecht zu leben und Gott zu ehren, dann könnten die Strafen ausbleiben. Als Hoffnungsbild beschreibt Micha      eine  Völkerwallfahrt nach Jerusalem, auf den Berg des Herrn, dem Zion. Dort wird kein König herrschen und auch keine Priester, denn die Völker werden auf Gott hören, auf seine Botschaft der Gerechtigkeit und des Friedens. „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.“(4,3)

Es reicht also nicht, Heere und Waffen nur zur Verteidigung zu haben. Erst wenn Waffen zu Arbeitsgeräten umgearbeitet sind, wenn es Waffen einfach nicht mehr gibt, auch nicht als Spielgerät, dann lernt niemand mehr Kriege zu führen. Waffenloser Friede braucht als Voraussetzung Gerechtigkeit – kein Mensch darf auf Kosten von anderen leben. Jesus lebte diese Idee, darum erkennen ihn viele als den Gesalbten, den Messias, den Friedensfürsten, von dem Micha im Kapitel 5 schreibt: „Aber du Bethlehem-Efrata, bist so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll.“(5,1) Matthäus wird diese Stelle zitieren, wenn die Sterndeuter bei König Herodes den Aufenthalt Jesu erkunden wollen.

Die Idee von den Schwertern, die zu Pflugscharen werden sollen haben viele Friedensbewegungen inspiriert oder ihnen den Namen gegeben. Die katholische Kirche hat sich seit der konstantinischen Wende 313, als das Christentum mächtig wurde, bis nach dem 2. Weltkrieg mit diesem Bild schwer getan und lieber vom Gerechten Krieg gesprochen. Doch seit wir um die Gefährlichkeit unserer modernen Waffen wissen, bilden sich immer mehr Friedensbewegungen unter dem Motto Schwerter zu Pflugscharen, um den Völkerfrieden durch weltweite Abrüstung  zu erreichen. In der DDR fanden unter diesem Motto als Gegenbewegung zur schulischen Kriegserziehung Friedensprojekte für Jugendliche, Gebetstreffen und schließlich 1989 regelmäßige Montagsgebete in der Leipziger Nicolaikirche statt. Diese wiederum wurde zur Keimzelle der Montagsdemonstrationen, die zur friedlichen Öffnung der DDR führten. Schwerter wurden dabei nicht gebraucht.

Was Gott von uns will, braucht keine lange Erläuterung meint Micha und keinen aufwendigen Gottesdienst:  „Es ist dir gesagt worden Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als  dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ (6,8)  – dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.